
Die Transformation der Gesundheitsversorgung in Deutschland erfordert ein neues Verständnis von Primärversorgung. Im Sinne von Primary Health Care können Primärversorgungszentren zu zentralen Ankern einer zukunftsfähigen Versorgung werden: Sie verbinden interprofessionelle Zusammenarbeit mit intersektoralen Ansätzen. Prävention, Gesundheitsförderung und Versorgung werden vereint und richten sich konsequent an den Bedürfnissen der Bevölkerung aus. Internationale Erfahrungen belegen es, die Modellprojekte von NAVIGATION in Hamburg und Berlin bestätigen es: Eine intersektorale multiprofessionelle Gesundheitsplanung und -Versorgung ist wirksam und umsetzbar. Der Fachtag bietet ein Forum für den interdisziplinären Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis und lädt dazu ein, die Transformation hin zu Primary Health Care gemeinsam voranzubringen.
Mit der möglichen Verankerung von Primärversorgungszentren im deutschen Gesundheitssystem verbinden sich mehrere Paradigmenwechsel:
Versorgungsverständnis:
Statt einer medizinisch-kurativen Logik rückt ein bio-psycho-soziales Verständnis von Gesundheit in den Vordergrund, das soziale Determinanten systematisch einbezieht.
Berufslogik:
Die bislang ärzt*innenzentrierte Struktur weicht interprofessionellen Teams, in denen unterschiedliche Berufsgruppen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Steuerung:
An die Stelle einer sektorlogischen Bedarfsplanung tritt eine stärker sozialraum- und settingorientierte Ausrichtung an den Lebensrealitäten der Bevölkerung.
Governance:
Die historisch gewachsene, fragmentierte Versorgungslandschaft entwickelt sich zu einer regional koordinierten Versorgungsarchitektur, in der Kommunen eine aktivere Rolle übernehmen.
Der Fachtag bringt Praxisprojekte, Wissenschaft, Politik, Kostenträger, Kommunen und weitere Akteur*innen zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Primärversorgungszentren als Bestandteil von Primary Health Care nachhaltig weiterentwickelt und in die Regelversorgung überführt werden können.
Sie möchten als Medienvertreter*in am Fachtag teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihre Anmeldung per E-Mail an: fachtag@navigation-im-pvz.de.

Key Facts
Fachtag:
Von Primärversorgung zu Primary Health Care – Primärversorgungszentren als Anker einer notwendigen Transformation
Datum:
08. Oktober 2026, 10:00 – 16:30 Uhr
Ort:
Campus Charité Mitte
Hörsaal 22
Sauerbruchweg 2
(Zugang auch möglich über Virchowweg 9)
10117 Berlin
Veranstalter:
Innovationsfondsprojekt NAVIGATION
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Professur Öffentliche Gesundheit TU Dresden
Geko Berlin
Poliklinik Veddel
Referent*innen aus:
- Wissenschaft und Versorgungsforschung
- Internationaler Gesundheitsberatung
- Gesundheitspolitik und Verwaltung
- Öffentlichem Gesundheitsdienst
- Krankenkassen
- Versorgungspraxis (Allgemeinmedizin, Pflege, Soziale Arbeit, Psychologie und interprofessionelle Zusammenarbeit)
Was Sie erwartet:
- Eine Bilanz der Primärversorgung in Deutschland und die Rolle, die Primärversorgungszentren in den anstehenden Reformen spielen können
- Aktuelle Ergebnisse und Learnings aus den Modellprojekten von NAVIGATION in Hamburg und Berlin
- Internationale Erfahrungen aus Österreich: Erfolgsfaktoren, Übertragbarkeit und politische Kräfteverhältnisse
- Perspektiven der Berufsgruppen auf interprofessionelle Zusammenarbeit im Primärversorgungszentrum
- Die strukturellen, berufsrechtlichen und politischen Voraussetzungen für eine Verankerung in der Regelversorgung
- Kontakte und Argumente für die aktive Mitgestaltung der Primärversorgung von morgen
Format:
Präsenzveranstaltung mit Fachvorträgen, Panels und Diskussionen
Anmeldung:
Verbindliche Anmeldung über das Online-Formular
Kosten:
Für die Teilnahme am Fachtag wird eine Unkostenbeitrag in Höhe von 35 € erhoben, der bei der Anmeldung zu entrichten ist.

Programm-Highlights
Von Primärversorgung zu Primary Health Care
Wie lässt sich Primärversorgung im aktuellen politischen Kontext weiterdenken? Fachliche Impulse ordnen den Stand der Primärversorgung in Deutschland ein und zeigen intersektorale Ansätze für eine zukunftsfähige Versorgung auf.
Lernen von Österreich
Die Primärversorgungsreform in Österreich bietet wichtige Erfahrungen für Deutschland. Im Fokus stehen Gelingensfaktoren, offene Fragen und die politische sowie institutionelle Unterstützung einer solchen Reform.
Interprofessionelle Teams im PVZ
Welche Rollen übernehmen Pflege, Hausärzt*innen, Soziale Arbeit, psychologische Beratung und Koordination in Primärversorgungszentren? Der Fachtag beleuchtet Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Voraussetzungen gelingender Zusammenarbeit.
Praxisprojekte: Machen, was machbar ist
Modellprojekte zeigen, wie Primärversorgungszentren bereits heute Versorgung verändern können – durch interprofessionelle Steuerung, Community Health Nursing, digitale Unterstützung, gemeinsame Dokumentation und Kooperation mit Kommunen und ÖGD.

Programm
Stand: August 2026
10:00 Uhr Eröffnung
Begrüßung
Dr. Patricia Hänel
Konsortialführung Innovationsfondsprojekt NAVIGATION | Geko – Stadtteil-Gesundheits-Zentrum Neukölln
Katja Schlegel
Projektleitung Innovationsfondsprojekt NAVIGATION | Poliklinik Veddel
Prof. Dr. med Anna Kühne M. Sc. M. Sc.
Professur Öffentliche Gesundheit | Technische Universität Dresden
Prof. Dr. med Wolfram Hermann
Leiter der Arbeitsgruppe „Stadtmedizin – Versorgungsforschung im Urbanen Kontext“ | Charité – Universitätsmedizin Berlin
Grußworte
Daniela Teichert
Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost
Melanie Walter (per Video)
Niedersächsische Ministerin für Europa und Regionale Landesentwicklung
10:30 Uhr Panel 1: Primärversorgung neu denken: Gesundheitspolitische Vision und internationale Erfahrungen
Input 1: Warum Primary Health Care? Die gesundheitspolitische Relevanz eines internationalen Leitkonzepts
Dr. med. Ove Spreckelsen, M.Sc.
Allgemeinmediziner | Poliklinik Veddel
Input 2: Primärversorgung in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme
Dr. med. Susanne Pruskil
Gastprofessorin für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) an der Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
Input 3: Primärversorgung aus Sicht der Krankenkassen
Matthias Mohrmann
Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg
Input 4: Primärversorgung reformieren: Was Österreich über erfolgreiche Umsetzung gelernt hat
Ian Langner
Health Expert | Gesundheit Österreich GmbH
Moderiertes Q&A
mit Referent*innen, Publikum und Presse
12:00 Uhr Kaffeepause
12:30 Uhr Panel 2: Wie gelingt Primary Health Care im Team? Erfahrungen aus der interprofessionellen Versorgung
Podiumsdiskussion: Stellvertretend für die Fachbereiche Pflege, Soziale Arbeit, Psychologie, Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Zusammenarbeit
Vera Lux
Präsidentin des DBfK
Prof. Dr. med. Marco Roos
Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Prof. Dr. Claudia Hövener
Professorin für gesundheitsbezogene Soziale Arbeit | Alice Salomon Hochschule Berlin
Dr. Andrea Benecke
Präsidentin Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)
Prof. Dr. rer. pol. Heidi Höppner MPH (em.)
Professorin für interprofessionelle Gesundheitsversorgung und Systemgestaltung | Alice Salomon Hochschule Berlin
13:45 Uhr Mittagspause
14:45 Uhr Panel 3: Von der Idee zur Struktur: Umsetzung von Primary Health Care in Deutschland
Input 1: Primärversorgungszentren in der Praxis: Erkenntnisse aus dem Innovationsfondsprojekt NAVIGATION für die Regelversorgung
Dr. Linda Iversen
Community Health Nurse und Wissenschaftlerin mit Schwerpunkt Pflege und Public Health | Poliklinik Veddel
Input 2: Evidenzbasierte Erkenntnisse zur Wirkung von Primärversorgungszentren
Prof. Dr. med Wolfram Herman
Leiter der Arbeitsgruppe „Stadtmedizin – Versorgungsforschung im Urbanen Kontext“ | Charité – Universitätsmedizin Berlin
Input 3: Die Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und der kommunalen Gesundheitskonferenzen in der Primärversorgung: Erfahrungen und Entwicklungsperspektiven
Dr. med. Monika Spannenkrebs, MPH
Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, Abteilung 7 Landesgesundheitsamt
Input 4: Kommunale Primärversorgungszentren: Ein Paradigmenwechsel in der regionalen Versorgungsarchitektur
Friedhelm Ottens
Erster Kreisrat (Dezernat II) | Landkreis Cuxhaven
Diskussion: Welche Rahmenbedingungen braucht es, um PVZ als Anker einer flächendeckenden Transformation hin zu Primary Health Care zu etablieren?
16:15 Uhr Abschluss & Veranstaltungsende 16:30 Uhr

Referent*innen
Dr. Patricia Hänel ist Ärztin und Prozessentwicklerin im Gesundheitswesen. Sie ist Mitgründerin des GeKo Berlin, eines der ersten interprofessionellen Primärversorgungszentren in Deutschland. Als Projektleiterin des Innovationsfondsprojekts NAVIGATION richtet sie den Fachtag aus.
Katja Schlegel ist Juristin mit langjähriger Erfahrung im ministeriellen und operativen Bereichen zu den Themen Gesundheitliche Versorgung, Prävention und Öffentlicher Gesundheitsdienst. Sie ist Gründungsmitglied des Primärversorgungszentrums Poliklinik Veddel in Hamburg, das seit 2017 Pionierarbeit auf dem Gebiet der ambulanten Primärversorgung in Deutschland leistet. Aktuell leitet sie in Hamburg das Innovationsfondsprojekt NAVIGATION.
Als CEO einer großen regionalen Krankenkasse setzt sich Daniela Teichert für eine Gesundheitsversorgung ein, die leicht zugänglich ist und sich an den Bedürfnissen der Versicherten in Stadt und Land orientiert. Auf dem Fachtag zeigt sie, wie Primärversorgungszentren dazu beitragen können, Versorgung besser zu koordinieren, Wege für Patientinnen und Patienten zu vereinfachen und regionale Versorgungsstrukturen zu stärken.
Ove Spreckelsen ist Hausarzt und Gesundheitswissenschaftler. Er engagiert sich in der Poliklinik Veddel seit Jahren in der Konzeptionsentwicklung und wissenschaftlichen Begleitung, wobei der Vordenker des Primary-Health-Care-Ansatzes als Leitbild dient. Er ordnet die gesundheitspolitische Relevanz des WHO-Leitkonzepts für den deutschen Kontext ein.
Prof. Anna Kühne ist Ärztin, Epidemiologin und Gesundheitswissenschaftlerin. Als Professorin für Öffentliche Gesundheit an der TU Dresden forscht sie mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zu Themen der Prävention, intersektoralen Gesundheitsplanung, Infektionsepidemiologie und Krisenmanagement. Sie ist Gründungsmitglied des Gesundheitskollektiv Berlin-Neukölln.
Der studierte Diplom-Kaufmann ist seit 2012 Mitglied im Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg und seit 2023 dessen stellvertretender Vorsitzender. Auf dem Fachtag bringt er die Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung in die Reformdebatte ein und zeigt, welche Rolle Krankenkassen bei der Weiterentwicklung und Finanzierung von Primärversorgungszentren spielen können.
Ian Langner arbeitet als Health Expert im österreichischen Public-Health-Institut „Gesundheit Österreich GmbH“ in der Abteilung Primärversorgung und Versorgungskoordination. Er bringt Erfahrungen aus vergangenen und aktuellen Gesundheitsreformen in Österreich mit, insbesondere im Hinblick auf die Stärkung der Primärversorgung, und zeigt auf, welche Erfolgsfaktoren solche Transformationen begünstigen und welche Ansätze sich auf Deutschland übertragen lassen.
Vera Lux (Jahrgang 1959), Kinderkrankenschwester und Betriebswirtin, verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Pflegemanagement von Krankenhäusern und Universitätskliniken. Seit August 2024 ist sie Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). Zuvor war sie Vorsitzende des Niedersächsischen Pflegerats und ist seit 2020 wissenschaftliche Leiterin des Pflegemanagementkongresses.
Prof. Marco Roos ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Versorgungsforscher. Er verbindet die wissenschaftliche Perspektive mit der gelebten Praxis in der hausärztlichen Praxis und gibt Einblicke in die Evaluation der Transformation von interprofessionellen Teampraxen in der Primärversorgung.
Dr. Andrea Benecke ist Psychologische Psychotherapeutin und seit 2023 Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer. Sie diskutiert, wie die Versorgung psychisch erkrankter Patient*innen in einem Primärversorgungssystem gestaltet und die psychotherapeutische Versorgung im Team gelingen kann.
Claudia Hövener forscht zu sozialen Determinanten von Gesundheit sowie zu sozialen Ungleichheiten in Gesundheit und Versorgung. Dabei untersucht sie die Bedeutung Sozialer Arbeit für die Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit und die Gestaltung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote. Sie ist Beisitzerin im Vorstand von Gesundheit Berlin-Brandenburg.
Seit 2002 Professorin an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, zuletzt bis April 2026 an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Ihre Erfahrungen umspannen Theorie und Praxis als MFA, Physiotherapeutin, Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin (Public Health) und Hochschullehrerin, mit Schwerpunkt auf interprofessioneller Gesundheitsversorgung.
Als Community Health Nurse versorgte Linda Iversen die im Innovationsfondsprojekt NAVIGATION eingeschlossenen Patient:innen. In ihrem Vortrag präsentiert sie erste Projektergebnisse und zeigt auf, welche Impulse diese für die nachhaltige Weiterentwicklung und Verankerung innovativer Versorgungsmodelle in der Regelversorgung bieten.
Die Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und für Allgemeinmedizin ist seit 2002 im Öffentlichen Gesundheitsdienst tätig. Über sieben Jahre leitete sie ein Gesundheitsamt in einem Flächenlandkreis. Seit 2023 ist sie Referatsleitung in der Abteilung 7 – Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.
Friedhelm Ottens, M.A., Dipl. Verwaltungswirt, leitet das Dezernat Familie und Bildung im Landkreis Cuxhaven. Er hat das Regionale Versorgungszentrum Wurster Nordseeküste aufgebaut und wird über Beweggründe und Erfahrungen aus kommunaler Perspektive berichten.
Das Innovationsfondsprojekt NAVIGATION erprobt in den Primärversorgungszentren Geko Berlin in Berlin-Neukölln und Poliklinik Veddel in Hamburg ein interprofessionelles, sozialraumorientiertes Versorgungsmodell, das Menschen im Kontext ihrer Lebensbedingungen begleitet, Gesundheitskompetenz stärkt und Versorgung besser koordiniert.
Was NAVIGATION erreichen will
- Ambulante Versorgung barrierefrei zugänglich machen, insbesondere für vulnerable und strukturell benachteiligte Gruppen
- Psychische und soziale Faktoren systematisch in die Versorgung einbeziehen
- Versorgungslücken in benachteiligten Stadtteilen schließen
- Gesundheitskompetenz stärken und Orientierungslosigkeit im System abbauen
- Versorgungsabbrüche und vermeidbare Krankenhausaufenthalte reduzieren
- Attraktive, interprofessionelle Arbeitsplätze in der Primärversorgung schaffen
Nach einer 24-monatigen Erprobungs- und Evaluationsphase sollen die Erkenntnisse aus NAVIGATION tragfähige Modelle für die Regelversorgung liefern, mit dem Ziel einer gerechteren, zugänglicheren und wirksameren Gesundheitsversorgung in Deutschland.
Anmeldung
Die Online-Anmeldung ist geschlossen.
Sie haben jedoch weiterhin die Möglichkeit, sich am Veranstaltungstag direkt vor Ort anzumelden. Die Anmeldung ist ab 9:15 Uhr im 1. Stock, Raum 402 (Eingang Virchowweg 9) geöffnet. Da die Veranstaltung pünktlich um 10:00 Uhr beginnt, bitten wir Sie, rechtzeitig zu erscheinen.
Wir freuen uns auf Sie!








